Geschichten, die das Leben schreibt.

 

Mein Auftrag unter anderem während meiner Praktikumszeit, Aktuelles und Geschichten aus dem Alltag der franziskanischen Gassenarbeit zu teilen und zu erzählen. Geschichten erzählen. Das Leben schreibt Geschichten, unterschiedliche, spannende, manchmal mit auf, manchmal mit ab – auf unterschiedliche Art und Weise. Geschichten über den Alltag, Geschichten über Begegnungen - Geschichten über Menschen. Geschichten sind das, was Menschen ausmachen. Der englische Schriftsteller Rushide nannte es sogar so, dass wer seine Geschichten nicht erzählen kann, nicht existiere. So frage ich mich sowie auch dich, was ist meine bzw. deine Geschichte?

In den vergangenen Tagen bin ich mit unterschiedlichen Geschichten in Berührung gekommen. Es waren Bruchstücke aus verschiedenen Lebensgeschichten, Momentaufnahmen. Da waren einerseits Menschen aus der Ferne, die teils schon länger hier sind, andere, die gerade angekommen sind. Das Unterwegs sein braucht Kraft und Energie, das heisst, der Rhythmus wird umstrukturiert. Der Tag wird zur „Erholphase“, da in der Nacht kein Bett vorhanden ist. Alltägliche Utensilien wie Socken oder Unterwäsche, so scheint es uns, sind gefragt. Andere Besucher geniessen es Fernseh zu sehen, während es draussen regnet oder benutzen den Computer, um mit Freunden in Kontakt zu sein oder Wohnungen zu suchen. Weiter sind da Momente mit freiwilligen helfenden Händen in und ums Haus. Diese Momente erachte ich als äusserst wertvoll. Und nicht zuletzt die Bewohner im Haus Zuflucht selber. Da klopft einer an die Tür, da wird ein Wort auf dem Gang gewechselt, da einen Moment bei Tisch. Der eine erzählt von seinem Körpergewicht, wieder einer ist oft einfach neugierig und kommt jeweils einfach so vorbeisehen, ein anderer betätigt sich kreativ in einem Projekt und nochmals einer unterrichtet mich in Geschichte. Ich staune. Und höre zu. Damit Geschichten erzählt werden können, benötigt es in erster Linie auch einfach das Zuhören. Zuhören. Zuhören bedeutet dabei für mich nicht nur mein Ohr zu öffnen, sondern mich dem Gegenüber zu zuwenden, bei Unklarheiten nachzufragen und dabei versuchen, meine eigene Wertvorstellungen, Schlüsse, Interpretationen wegzulassen. Nicht immer gelingt es mir gleich. Doch ich bin gespannt, gespannt auf Geschichten - Geschichten, die das Leben schreibt.

Küchenzaubergeschichten.

Es duftet nach frischem Gemüse, Gewürzen und anderen leckeren Dingen. So zaubert Martha uns immer wunderbare Speisen. Zaubern in dem Sinne, da es wirklich eine Kunst ist, aus zusammengewürfelten Essensspenden zu kochen. So kommen Speisen von der Schweizer Tafel, vom Pfarrer Sieberwerk und teils von anderen Gaben (in diesem Sinne herzlichen Dank). Dabei soll das Ganze auch noch ausgewogen und jeweils nach dem Prinzip „das Auge isst mit“ sein. Diese Punkte sind bei Martha sehr wichtig. Dazu kommt, dass die Anzahl Gäste nicht immer klar ist und oft noch etwas variiert. Wenn ich sie jeweils frage, wie sie das wieder gemacht hat, meint sie, dass sie zu Beginn noch gar nicht wusste, wie sie es genau kochen werde. So kommt ihr vieles beim Kochen selber in den Sinn. Dies wiederum benötigt einen gewissen Grad an Flexibilität und Offenheit. So kocht sie manchmal auch Dinge, die sie nicht kennt oder sonst für sich nicht kochen würde. Gewisse Rezepte stammen dabei auch von ihrer Mutter. Ebenfalls wichtig für unsere spontane Köchin ist, dass sie jeweils das passende Gewürz dazu findet. Da kommt es, dass die Currysauce zuviel Currypulver erwischt, wobei dann mit Früchten das ganze aufgelockert werden kann. Was braucht es um in einer Küche hin und wieder Dienst zu leisten? Ganz klar, Freude am Kochen und die hat Martha. Jedoch sagt sie, brauche sie am Abend Abstand zur Küche. Und was isst Martha am liebsten? Flambierte Nierli oder Kalbsleber mit Rösti sowie Lamm, doch das gibt es hier weniger. Wer weiss .. :)

Manchmal gibt es auch Pannen in der Küche, einmal hat jemand Apfelstrudel ohne Apfel gemacht - das war dann wohl ein Strudel. Und einmal gab es Ebli, denen Martha etwas skeptisch gegenüber war. Doch die Sauce hat es schlussendlich gerettet und jeder hat es gemocht. Bewohner schätzen Martha nicht nur wegen ihrer Kochkünste, sondern treffen sie auch oft auf einen Schwatz, manchmal längeren Austausch. So gibt es hin und wieder von ihr Schokolade oder ein Tässli Zucker, Toast mit Confi oder sonst noch was das Herz begehrt. Da kommt ein Gast in die Küche und erzählt er habe Hunger. Als er drei Eier sieht zeigt er darauf. Martha setzt die Pfanne auf und schlussendlich kocht der Gast gerade selber. Ja und so könnte sie uns noch ganz viele weitere Geschichten erzählen .. In dem Sinne Martha: lieben Dank für deinen Einsatz


 

und manchmal gibt es solche Geschichten wie diese hier. . Wie bereits erwähnt, erhalten wir immer wieder verschiedene Spenden. Spenden in Form von Geld, oder aber auch in Form von Naturalien. So wie an diesem Dienstag. Die Frage war dabei, ob wir Käse möchten. Und ja, das möchten wir. Wer hätte aber gedacht, dass es sich dabei um solch einen Käse handelt? Wow, herzlichen Dank und ja ihr lieben Mäuse, vielleicht bleibt auch noch etwas für euch übrig .. :)