Dimi's erster Arbeitstag

 

Bereits früh wurde mir bewusst, dass hier im "Haus Zueflucht" viele lehrreiche und schöne Geschichten und Erlebnisse geschrieben werden. Keine 15 Minuten vergingen am ersten Arbeitstag, als sich mir ein erstes besonderes Ereignis präsentierte. An der Eingangstüre befand sich ein Mann mit Migrationshintergrund, dessen Füsse durch das winterlich kalte und feuchte Wetter von nassen Schuhen und Socken eingehüllt waren. Als er uns sein Anliegen auf eine schwierig identifizierbare Sprache doch noch verständlich machen konnte, kam Beno der Einfall. Zwei Schritte und wenige Sekunden später hielt der Mann ein warmes, trockenes Paar flauschiger Wintersocken in der Hand, geschmückt mit einer Zehnernote. Diese milde Gabe zauberte er dank einer kürzlich eingegangenen Spende aus dem Ärmel. Sei es purer Zufall oder doch ein kleines Wunder, dem Mann wurde passend auf sein Anliegen geholfen. Im Laufe der ersten Wochen wurde ich immer wieder zum Beobachter oder mitinvolvierten Akteur vergleichbarer Geschehnisse.

Als Resüme nach der ersten Woche lässt sich festhalten, dass hier kein Tag wie der andere ist. Man sieht sich immer wieder neuen Herausforderungen konfrontiert und kommt durch die interessanten Biografien und Erzählungen der Bewohner und des Teams zu wertvollen Erkenntnissen.

Gespannt erwarte ich die nächsten Tage, Wochen und Monate.

 

 

Schlaf wird gebraucht

Beim beliebten Kinderspiel „Reise nach Jerusalem“ tanzen und hüpfen die Teilnehmenden im Takt zu begleitender Musik um einen aus Stühlen errichteten Kreis. Wird die Musik durch den Spielleiter gestoppt, so müssen sich die Kinder schnellstmöglich auf einen freien Stuhl setzen. Der Haken liegt dabei in der Tatsache, dass das Spielsetting so eingerichtet wird, dass jeweils mehr Spielteilnehmende als Stühle anwesend sind. So scheiden Runde um Runde jene Akteure aus dem Spiel aus, welche keinen Stuhl für sich ergattern konnten. Dies, bis letztendlich ein Gewinner feststeht.

Aber liebe Leserin, lieber Leser, bitte lassen Sie sich nicht in die Irre führen. Auch wenn hier Stühle und ein Mensch zu sehen sind, handelt es sich in dieser Situation nicht um das oben erklärte Kinderspiel. So ist in dieser Situation keine Musik zu hören und es geht auch nicht so lebhaft zu und her, wie dies für gewöhnlich bei „Reise nach Jerusalem“ der Fall ist. Auch präsentieren sich die Stühle bei diesem Foto in deutlicher Überzahl.
In Wahrheit handelt es sich bei dieser Illustration um einen rumänischen Gast, welcher eine kreative Lösung gefunden hat, um sein Bedürfnis nach Schlaf zu stillen.

Im Haus Zueflucht besuchen uns unter der Woche täglich zahlreiche Gäste, welche hauptsächlich aus Rumänien und Bulgarien in die Schweiz eingereist sind. Dabei wenden sie sich bei uns verschiedensten Tätigkeiten zu. Das Hauptanliegen gilt in der Regel einem guten und gesunden Mittagessen. Oft vertreiben sie ihre Zeit auch in Begleitung lustvoller rumänischer Musik und surfen nebenbei im Internet. Immer mal wieder helfen sie auch bei Alltagsarbeiten mit. Es wird geputzt, aufgeräumt oder der Tisch gedeckt. Somit unterstützen sie uns auch, die Ordnung im Haus Zueflucht aufrecht zu erhalten.

Und manchmal ist es halt eben auch der Mangel an Schlaf, welcher die Gäste zu uns verschlägt. Im Esszimmer, in welchem ein Hochbett platziert ist, finden sie dabei Möglichkeit, der drückenden Müdigkeit Abhilfe zu leisten. Jedoch sieht es mit den Schlafmatratzen ganz ähnlich aus wie mit den Stühlen bei „Reise nach Jerusalem“. Der Schnellere hat den Vorrang. Der frühe Vogel fängt den Wurm. Und jene, die erst später erscheinen, sehen sich mit der Suche nach kreativen Alternativen konfrontiert.

Das Team vom Haus Zueflucht heisst jedenfalls sämtliche Gäste herzlich willkommen und vertritt diesbezüglich eine Haltung der Offenheit und Geschwisterlichkeit. Wir freuen uns deswegen auch künftig über Besucher aus aller Welt.

Hundeausbildung vom 20. Mai 2016

„Es hat mir riesig Freude gemacht.“ Mit diesen Worten bedankte sich Markus Giger nachträglich bei uns. Markus war die Leidenschaft mit den Hunden anzusehen. Diese Leidenschaft hat sich vom ersten Augenblick auch auf das Publikum übertragen. Zuhörergerecht und mit viel Geduld führte uns Markus in Begleitung einer norwegischen Buhündi, genannt „Schützling Behle vom Rauschenberg“, durch die abwechslungsreiche Theorie der Hundeausbildung. So wurde über die verschiedenen Hunderassen und deren spezifischen Charakterzüge aufgeklärt, auf Prinzipien bei der Hunde -Führung und -Erziehung hingewiesen und vieles mehr. Auch eindrückliche Videoaufnahmen von Hundetrainings, welche Markus durchführte, wurden abgespielt. Viel Neugierde und interessante Diskussionen haben den Vormittag mitgestaltet. Abgerundet wurde der willkommene Exkurs mit einer offiziellen Kursbestätigung und dem theoretischen Sachkundenachweis in Papierform für jede Teilnehmerin und jeden Teilnehmer.

Als Markus zum Einstieg der Veranstaltung in die Runde fragte, wer alles einen Hund haben möchte, erhoben sich die Hände nur zögerlich und in kleiner Anzahl. Eine Woche und weitere spannende Diskussionen später würde es mich nicht mehr erstaunen, würden sich zum wandelnden Bestand an Tierarten in und ums Haus Zueflucht (Hühner, Ratten, Meisen) auch noch ein paar Hunde dazu gesellen. „Auch uns hat es riesig Freude gemacht.“